Gedichte Geiz


Gedichte - Geiz

Sammlung an Gedichten mit Bezug zur Eigenschaft Geiz für Leserunden und Gedächtniseinheiten.


Mann mit zugeknöpften Taschen,
Dir tut niemand was zulieb:
Hand wird nur von Hand gewaschen;
Wenn du nehmen willst, so gib!

Johann Wolfgang von Goethe

 

 

 

 

Der Geizhals

Ein Geizhals fiel in einen Fluß, der tief
Und reißend war. Ein Fischer, der das Leben
Ihm retten wollte, sprang hinein und rief:
Er möchte nur die Hand ihm geben;
Allein der Geizhals sprach, indem er untersank:
Ich kann nichts geben, und ertrank.

Johann Aloys Blumauer

 

 

Der Geizhals

Du, schmutz'ger Geizhals, dort bei Deinen Schätzen!
Ha, könnt' ich gegen Dich die Geißel schwingen,
Daß meine Hiebe bis ins Mark Dir dringen –
Ich würde mit Vergnügen Dich zerfetzen.

Du spielst mit Menschenrechten und Gesetzen;
Versteh'st Dich schlau der Strafe zu entringen;
Doch, kommt die Stunde, wird Vergeltung bringen,
Wenn Dich die Fur'en des Gewissens hetzen.

Ja, wüßtest Du, wie viele Freuden sprießen,
Wie leicht Du Dich und Andre kannst beglücken –
Dein Leben würdest edler Du genießen.

O, geh' zum Armen, den die Sorgen drücken,
Dort lasse Dir des Dankes Thränen fließen –
Sie adeln, Dich, Du erntest Hochentzücken.

Heinrich Martin

 

 

 

Warum nennt ihr den Geizhals miserabel?
Vergnügen ohne Überdruß ist sein;
Er hat den besten Anker, hat das Kabel,
Das alle Freuden festhält, groß wie klein.
Ihr seht nur, was er spießt auf seine Gabel,
Die magre Kost, sein Speisen scheint Kastein;
Da staunt ihr, daß ein Reicher sich so schinde:
Ihr wißt nicht, was man träumt bei Käserinde.

Lord George Gordon Noel Byron

 

 

 

 

Erbsenparabel

Vier Erbsen in einer Schote saßen,
Eine fett, dickköpfig, aufgeblasen,
Die andern drei verschrumpft und klein.
Weil jene sich zu viel Nahrung genommen,
Mußten diese vertrocknen, verkommen,
Und verkümmerten in sich hinein.
So auch der Kampf ums tägliche Brot:
Ein Geizhals drückt drei Arme tot.

Otto Michaeli

 

 

Der Segen des Geizigen

Einst ging ein Bischof durch die Stadt.
Ein Bettelbube zu ihm trat,
Zog vor ihm ab gar tief den Hut
Und sagt: "Herr, seien Sie so gut,
Bis an den Hals steck ich in Schulden,
Und schenken Sie mir einen Gulden
Zu diesem lieben neuen Jahr,
Das wär' ein christlich Werk fürwahr!"
"Was", schrie der Bischof eifersvoll,
"Ich glaube, Junge, du bist toll!
Ein Gulden bei so schlechter Zeit
Ist wahrlich keine Kleinigkeit!"
"Nun Herr", fiel im der Bettler ein,
"So mögen's denn acht Groschen sein."
"Nichts, nichts", versetzt der Bischof drauf
"Geh fort und halte mich nicht auf!"
"Ihr Gnaden, einen Groschen dann."
"Fort, fort! Auch den nicht." – "Nun wohlan!
Sie sehn, wie ich mich handeln lasse.
Ein Hellerchen?" – "Geh deiner Straße!"
Nichts, gar nichts! – das ist etwas arg",
sprach drauf der Bube, "Sie sind karg!
Doch lassen Sie sich dann bewegen
Und geben mir nur Ihren Segen?"
"Den sollst du haben, lieber Sohn",
Erwiderte mit süßem Ton
Der Geistliche: "Knie hin vor mir,
Den besten Segen geb ich dir!"
"So?" sprach der Bursche ganz verwegen,
"Behalten Sie nur Ihren Segen!
Ich hab ihn zu geschwind begehrt.
Wär er nur einen Heller wert,
Sie gäben ihn, hochwürd'ger Herr,
Gewiß nicht so gutwillig her."

Justus Friedrich Wilhelm Zachariä

 

 

 

Die Welt im kleinen

Verschluckt von des Prachthaus steinernem Schlunde,
Von eisernen Gitterzähnen sorglich bewacht
Vor der hereingebrochenen Mitternacht,
Ruhn Schätze, wie in verzaubertem Grunde,
Ererbt und errafft und geschäftlich bereichert,
Hochaufgespeichert –
Draußen kauern die Bettler und Hunde.

Emil Claar

 

 

 


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